Jura, Recht und jetzt Romane

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Von: Christoph Hoffmann

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Richard Albrecht arbeitet seit 2005 bei Rickerschen. Er hat im Laufe der Jahre viele Veränderungen erlebt. © Oliver Schepp

Unter jedem Weihnachtsbaum liegt ein gutes Buch. Dem stimmen viele zu, was die aktuell gut besuchten Buchhandlungen eindrucksvoll belegen. Eine davon ist die Rickersche Universitätsbuchhandlung am Ludwigsplatz. Sie existierte schon, als ein gewisser Just von Liebig in der Stadt lebte. Heute muss Rikers jedoch eine ganze Reihe neuer Hindernisse überwinden.

Am Ludwigsplatz treffen Mitglieder des britischen Königshauses auf Putin, Fernsehkoch Stephen Hensler, Kommissar Brunetti und Neinhorn. Ob Biografien oder politische Werke, Kochbücher, Kriminalromane oder Kinderbücher, die Rickersche Hochschulbuchhandlung erfüllt den Bedarf an Lesestoff. „Natürlich sind wir gerade in der Weihnachtszeit sehr gefragt“, sagt der langjährige Mitarbeiter Richard Albrecht. Natürlich liegt unter jedem Weihnachtsbaum ein gutes Buch. Darin sind sich noch heute, 582 Jahre nach Erfindung des modernen Buchdrucks, viele Menschen einig. Dafür gibt es in Gießen mehrere Anlaufstellen, die älteste ist aber definitiv die Rickersche. Auch wenn sich das Angebot, aber auch die Rahmenbedingungen seit der Gründung stark verändert haben.

Die Geschichte der altehrwürdigen Buchhandlung ist gar nicht so einfach zu verstehen. Laut dem Buch »Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker« von 1908 Joseph Ricker eröffnete seine Buchhandlung am 20. März 1832 in Gießen. Allerdings war er nicht der offizielle Besitzer, sondern seine „mutige Braut“ Johannette Christine Eckstein. Das Buch von 1908 besagt, dass Ricker als Ausländer keine Buchhandlung besitzen durfte. Rickerschens jetziger Besitzer Ralf Kohlheier weiß es jedoch besser. “Eigentlich lag es daran, dass er Jude war.”

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Zwei Jahre später starb Riker und sein Bruder Anton übernahm das Geschäft. Die Buchhandlung, die auch einen Verlag und später ein Antiquariat beherbergte, war damals eine angesehene Adresse in Gießen. Vor allem in universitären Kreisen. Justus von Liebig, der zur gleichen Zeit in Gießen forschte, veröffentlichte 1847 im Rickers Verlag seinen „Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie“.

Liebigs Werke wurden einmal veröffentlicht

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten kam es zu mehreren Besitzerwechseln, Umstrukturierungen und Erweiterungen. 1960 übernahm Gideon Schiller die Rickersche und verlegte sie vom Seltersweg an den Ludwigsplatz. 2005 wurde das Unternehmen vom jetzigen Inhaber Kohlheyer gekauft.

Heute ist die 120 Quadratmeter große Buchhaltung mit vier Damen und Herren sowie zwei studentischen Hilfskräften besetzt. Über den Verkauf will Kohlheyer nicht allzu viele Worte verlieren. “Aber es geht runter.” Immerhin gelang es dem Inhaber, die Buchhandlung auch 190 Jahre nach ihrer Gründung für die Gießener offen zu halten. Das ist alles andere als selbstverständlich.

Wie der Name schon sagt, lag der Schwerpunkt der Buchhandlung viele Jahre auf der Hochschulliteratur. Studenten und Professoren sammelten hier die notwendigen Materialien, insbesondere Rikershe, die sich auf Recht und Wirtschaft spezialisierte. „Als ich 2005 übernommen habe, waren wir im Grunde eine Fachbuchhandlung“, sagt Kohlheier, der das Sortiment schnell auf die Schulbildung, also Schul- und Lehrerbücher, ausgeweitet hat. Erfolg aus heutiger Sicht, wie Mitarbeiter Albrecht betonte. „Weil die Schüler mit der Zeit immer mehr von uns abfallen.“

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Wettbewerb durch Digitalisierung

Dass vor allem Jurastudenten vor den Prüfungen Lehrbücher und juristische Texte für viele hundert Euro kaufen mussten, sollte bekannt sein. Ein profitables Geschäft für Rikershe. „Heute können Studierende aber Bücher bei Verlagen ausleihen“, sagt Albrecht. Außerdem, fügt Kohlheier hinzu, würden viele Dozenten Auszüge aus dem Material kostenlos an ihre Studenten abgeben. Diese Entwicklung ist vorteilhaft für die Studierenden, gleichzeitig aber auch ein Sargnagel für die Buchhandlung, deren Geschäftsmodell maßgeblich auf dem Verkauf von Fachliteratur basiert.

Hinzu kommt die Digitalisierung. Bibliotheken, aber auch Universitäten reduzieren ihre Buchbestände und bieten viele Materialien nur noch digital an. Der Literaturkauf im Rickerschen wird obsolet. „Früher machte die Universität 50 Prozent unseres Umsatzes aus“, sagt Kohlheier. Heute ist das Verhältnis nicht einmal der Rede wert.

Schulbücher und Lehrerhefte seien dagegen nach wie vor gefragt, sagt Albrecht, auch wenn sie hauptsächlich per Internet- oder Telefonbestellung verkauft würden. Außerdem würden Lehrer Sammelbestellungen machen, zum Beispiel wenn der deutsche LK auf Homo Faber wartet.

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Doch seit einigen Jahren basiert das Kassengeschäft vor allem auf dem Verkauf von Kinderbüchern, Biografien, Romanen und Co. “Damit können wir die anderen Kürzungen ziemlich gut ausgleichen.”

Das sieht auch Albrecht, der seit 17 Jahren bei der Rickersche arbeitet, so. Besonders gut schnitten Kinderbücher ab. „Es gibt immer noch viele Eltern, die ihren Kindern richtige Bücher vorlesen wollen und nicht auf ein Tablet angewiesen sind.“ So oder so sind vielen Kunden bestimmte Werte sehr wichtig. „Glücklicherweise haben wir viele Stammkunden, die eindeutig nicht bei Ketten oder online einkaufen wollen. Und diese Gruppe wächst sogar noch.»

Gerade im aktuellen Weihnachtsgeschäft zeige sich diese Treue, betont Albrecht, auch wenn er eine inflationsbedingte Kaufzurückhaltung nicht verleugnen könne. Trotzdem ist der Dezember immer noch die wichtigste Zeit des Jahres. „Das Buch ist immer noch ein Klassiker unter dem Weihnachtsbaum“, sagt Mitarbeiter Albrecht.

Zu Lebzeiten von Justus von Liebig dürfte es nicht viel anders gewesen sein. Allerdings ist nicht bekannt, ob Gießens berühmtester Chemiker auch Rickers Bücher für seine vier Kinder unter den Weihnachtsbaum legte.

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